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Montag, 9. Januar 2017

Klone oder Testobjekte - Replica

Das erste Buch im neuen Jahr - da musste man sich schon irgendwas besonderes einfallen lassen. Darum hab ich zu "Replica" von Lauren Oliver, denn dieses Wechselbuch mit zwei Geschichten kann man von beiden Seiten lesen, oder abwechselnd.


Lyra ist ein Replica - aufgewachsen und all ihre Erinnerungen in Haven. Lokalisiert auf einer kleinen Insel, abgeschnitten vom Rest der Menschheit, bis über die Zähne bewacht. Ihr Leben ist überschattet von Test, Krankheiten und Untersuchungen. Doch nach einem Überraschungsangriff auf das Institut ändert sich alles. Lyra - oder auch nur 24 genannt - ist auf der Flucht, gemeinsam mit 72.

Gemma hingegen wächste behütet in ihrer Familie auf. Zu behütet vielleicht, denn sie darf in der Schule beim Sport nicht mitmachen und viele Aktiviäten werden ihr von den Eltern verboten. Denn Gemma hat eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich. Deshalb wird sie so abgeschottet, dass ihr sogar der Sommerurlaub mit ihrer besten Freundin verboten wird - alles nur wegen einem mysteriösen Angriff auf ihr Haus. Doch damit schnappt das Fass über - und Gemma nimmt Reißaus. Denn sie will wissen was hinter dem Angriff steht und was ihr Vater mit Haven zu tun hat.

Das Haven Institut ist der Drehpunkt, an dem sich zwei so unterschiedliche Geschichten treffen - und unaufhaltsam miteinander verstricken.


Was das Buch von Beginn weg besonders oder fast schon einzigartig macht: In einem Buch sind zwei Geschichten verpackt. Aber nicht einfach nur hintereinander oder miteinander verstrickt, sondern in einem Wendebuch. Von jeder Seite des Buchdeckels weg beginnt eine Geschichte, die sich auf die unterschiedlichsten Arten lesen lässt. Entweder nacheinander oder abwechseln - Kapitel für Kapitel das Buch drehend. Auf jeden Fall sehr außergewöhnlich!

Ich habe mich dafür entschieden die Geschichten hintereinander zu lesen. Das Drehen und Wenden und vor allem die zwei benötigten Lesezeichen waren mir - gerade zum in der UBahn lesen - zu anstrengend. Im Nachhinein würde ich mir die Anstrengung antun, ich glaube das kitzelt aus der Geschichte nochmal einen Ticken mehr heraus.

Denn so muss ich gestehen - gerade die erste Story (ich habe mit Lyra begonnen) kam mir irgendwie unvollsätndig vor. Lyras Story und vor allem Sprache ist sehr einfach, denn sie kennt die Welt nicht, kann gerade mal spärlich lesen und hat außer dem Wänden von Haven noch nichts gesehen. Passt perfekt auf den Charakter, lässt den Leser aber auch mit einigen Fragen stehen. Manche Dinge passieren einfach ohne hinterfragt zu werden oder ein paar Erklärungen zu liefern.

Im Gegenzug dazu gibt es bei Gemma sehr viele Fragen, die von Anfang an gestellt werden. Es geht um Aufdeckung, Nachforschung und man bekommt doch die ein oder andere Information die man bei Lyra schon gut verwerten hätte können. Man kennt sich bei beiden Geschichten einzeln aus, allerdings fehlen einem eben ein paar Einblicke, wenn man die Geschichten hintereinander liest.

Die Story an sich ist irgendwie nichts Neues. Ein mysteriöses Institut um das sich einige Vermutungen und abgefahrene Spekulationen drehen. Klone, Testobjekte oder doch nur Versuchskaninchen. Dann zwei Insassen die daraus flüchten können und eine scheinbar Unbeteiligte - die im Endeffeckt tiefer in die ganze Sache verstrickt ist als sie selbst glaubt. 
Nichts wirklich komplett neues gerade in einer Zeit wo es doch einige Romane über Klone/Replicas oder wie auch immer man sie nennen will gibt.

Zudem passieren ein paar Dinge, die schon sehr klischeehaft sind. Einerseits zu abgedroschen und andererseits fast ein bisschen zu übertrieben zufällig schicksalshaft. Natürlich ist kaum etwas wie es scheint - sonst müsste man die Geschichte ja nicht lesen und wäre nie erstaunt oder gar überrascht. Aber hier passiert fast zu viel, was die Geschichte komplett dreht. Sämtliche Personen die zufällig in die Geschichte stoßen sind wichtig, haben mit dem ganzen Etwas zu tun obwohl sich natürlich alle davor überhaupt nicht kannten oder noch nie ein Wort miteinander gewechselt haben. Da kommen schon ein paar sehr große Zufälle zusammen, wo man sich manchmal fragen mag, ob das nicht ein bisschen zu viel "Zufall" ist um noch glaubwürdig zu bleiben.

Zudem hatte ich (gerade beim Lesen der ersten Hälfte) immer wieder das Gefühl, dass mir einfach Dinge in der Geschichte fehlen. Vielleicht weil ich nicht abwechselnd gelesen habe, vielleicht weil ich mit Lyras Story begonnen habe, vielleicht aber auch weil manche Dinge einfach lückenhaft sind. Natürlich kommen hier noch Nachfolgeteile - weshalb nicht die gesamte Geschichte aufgelöst wird. Aber ein Gefühl der Unvollständigkeit sollte man irgendwie beim Lesen trotzdem nicht bekommen.

Aber die Aufbereitung macht hier auf jeden Fall einiges wett. Allerdings sollte man sich glaub ich wirklich die Mühe machen und die Geschichte Kapitel für Kapitel alternieren lesen. Das gibt dann nochmal den richtigen Kick und man hat während des Lesens schon den Einblick in einige Hintergründe, die man sonst nicht kennen würde.

Was auf jeden Fall interessant ist - nicht nur die Leseerfahrung sondern auch der total unterschiedliche Blickwinkel auf stellenweise ein und die selbe Szene aus zwei Gesichtspunkten. Von zwei komplett unterschiedlichen Charakteren. Das zeigt wie subjektiv jede Erfahrung ist und dass es immer zwei Seiten von einer Medaille gibt. Sehr interessant, gerade auch weil das Erzähltempo, die Sprache und die Geschwindigkeit von manchen Szenen damit doch stark unterscheiden.

Ein solider Jugendroman über Klone, der gerade was die Reading Experience angeht mal etwas vollkommen anderes ist. Die Story ist nicht zu 100% überzeugend, einfach weil sie nicht wirklich innovativ oder neu ist und weil sie fast ein wenig zu konstruiert wirkt. Trotzdem auf jeden Fall unterhaltsam und die offenen Fragen zum Schluss (auch wenn man beide Geschichten gelesen hat) machen schon neugierig auf einen Folgeteil.


1 Kommentar:

  1. Huhu!

    Da gab's doch auch schon mal nen Film, wo es um menschliche Ersatzteillager in Form von Klonen ging ... War das "Gattaca"? Ich hab immer so schlechtes Gedächtnis für solche Sachen. Aber die Idee, das Buch zum Lesen umzudrehen, finde ich interessant. Das Buch wandert mal auf meine Liste zum Vormerken, wenn ich wieder für mein Praktikum bei Epluse mehr pendeln muss als sonst (Komme damit sogar oft mehr zum Lesen als sonst) :D.

    Liebe Grüße
    Marie

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