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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Schlimmer als die Realität - Zerschunden

Es gibt nichts, was schlimmer sein kann als die Realität. Genau das hat sich vermutlich auch der Rechtsmediziner Michael Tsokos gedacht und darum seine Erfahrungen in einem True-Crime-Thriller niedergeschrieben. Nach seinen unzähligen Sachbüchern und einer Zusammenarbeit mit Sebastian Fitzek ist "Zerschunden" jetzt sein erster alleiniger Thriller.

Zerschunden Michael Tsokos Knaur Cover

 Auf Grund von Urlauben ist Rechtsmediziner Fred Abel der ranghöchste Angestellte in seiner rechtsmedizinischen Abteilung und hat deshalb umso mehr Arbeit am Hals. Alles natürlich Fälle, bei denen es höchster Dringlichkeit bedarf.

Doch dann gesellen sich auch noch sehr ähnliche Todesopfer zu seinen Klienten auf dem Tisch. Alles ältere, alleinstehende Frauen, auf deren Körpern eine persönliche Signatur hinterlassen wurde. Dem nicht genug, gerät ein alter Freund und Kamarad von Abel in den Kreis der Verdächtigen. Abel muss sich selbst dahinter klemmen und hoffen, seinen Freund von den Vorwürfen entlasten zu können - denn dessen Tochter liegt im Sterben und will als letzten Wunsch ihren Vater ein letztes Mal sehen.


Die Bezeichnung "True-Crime-Thriller" macht auf den jeden Fall neugierig, denn was könnte schlimmer sein als ein Fall, dessen Ursprung der Realität entspringt. Das Leben schreibt die grausamsten Geschichten und alleine das Wissen darum kann schon ein zusätzlicher Gänsehautfaktor sein. Mit Michael Tsokos steht obendrein ein Mann vom Fach hinter der Feder.

Doch vielleicht ist es gerade sein Fachwissen, das "Zerschunden" leider ein klein wenig langweiliger macht als viele andere Durchschnittsthriller. Man merkt den Einfluss der Praxis - allerdings nicht unbedingt im Positiven. Die Story ist gespickt mit gut geschilderten Abläufen und tiefen Einblicken in die Praxis, allerdings auch durchzogen von trockenen Fakten, langwierigen und detailgetreuen Abläufen und Ermittlungen, die nicht unbedingt sehr große Spannung aufbauen. 

Gerade der Schreibstil trägt für die Spannungskurve auch nicht unbedingt etwas Positives bei. Denn man merkt, dass Michael Tsokos eigentlich als Sachbuchautor in der Bücherwelt bekannt geworden ist. Auch in seinem ersten alleinigen Thriller ist der Schreibstil eher trocken und unaufgeregt. Es passt zwar einerseits gut, da es sich beim Hauptprotagonisten auch um einen Rechtsmediziner handelt, lässt aber andererseits durch die doch sehr fachliche und trockene Betrachtung des Falles auch nicht unbedingt mehr Spannung aufkommen.

Ein bisschen kann man zum Ende auch das Gefühl bekommen, dass der Thriller versucht seine Schwächen gegen Ende hin mit roher Gewalt zu überspielen. Denn da werden die Fälle brutaler, der Täter extrem und vor allem sprachlich sehr vulgär. Das wirkt fast einen Tick überzogen.

Die Bezeichnung True-Crime-Thriller lässt hier Erwartungen aufkommen, die leider nicht wirklich erfüllt werden können. Gerade im Vergleich zu fiktiven Geschichten kann die Story nicht mit speziell spannenden oder tiefgründigen Einblicken aufwarten.

So bietet "Zerschunden" zwar eigentlich eine ganz passable Geschichte - gerade auch mit der persönlichen Note durch den Freund als Hauptverdächtigen mit berührender Hintergrundgeschichte - allerdings wird das Ganze eher in trockenem Staub erstickt als wirklich spannend aufbereitet und präsentiert. Ein Debüt in der Thriller-Welt, das in Ordnung geht, den Großen aber doch um einiges nachsteht. Man fragt sich, ob Michael Tsokos nicht vielleicht bei Sachbüchern bleiben sollte, wo ihm seine Erfahrungen und sein Wissen nicht im Wege stehen würden.


PS: Wieder geht mein Dank an Janett's Meinung für das Exemplar.

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