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Donnerstag, 20. August 2015

Alkohol und Vermisste und ein Zug - Girl on the Train

Es war die Neuerscheinung im Juni, hat sofort die Bestsellerlisten erklommen und war überall im Gespräch: "Girl on the train". Super spannend und gelobt in den höchsten Tönen, kein Wunder, dass ich irgendwann auch dazu greifen musste.

Girl on the Train blanvalet Cover

Rachel fährt jeden Tag mit dem Zug - zweimal - hin und retour. Dabei beobachtet sie die Umgebung, insbesonder die Gegend rund um ihr altes Zuhause in dem ihr Ex-Mann jetzt mit seiner neuen Frau wohnt. Beinahe nebenan lebt ein weiteres Paar - Jess und Jason, wie Rachel sie nennt. Sie scheinen ein perfektes Leben zu führen, ein Leben wie Rachel es sich für sich selbst erträumt hat. 

Doch jetzt ist alles ist alles anders. Rachel ist dem Alkohl verfallen und wohnt in einer WG mit einer alten Bekannten. Trist bewegt sie sich jeden Tag zur Arbeit und studiert ihre Umgebung. Eines Tages ist Jess (die in Realität Megan heißt) verschwunden und Rachel glaubt etwas beobachtet zu haben. Doch mit der Meldung ihrer Beobachtungen bei der Polizei verrennt sie sich in einen Strudel unvorhersehbarer Dinge.


Es gab einen riesen Hype um dieses Buch und teilweise gibt es ihn immer noch. "Girl on the train" steht immer noch auf den Bestseller Listen und geht reihenweise über den Ladentisch. Doch kann der Roman (der oftmals fäschlicher Weise als Thriller betitelt wird) wirklich mit seinem Ruf mithalten?

Für meinen Geschmack nicht. Schon nach den ersten Seite erkennt man, der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Man muss ihn entweder mögen und sich sofort darin einleben können oder man freundet sich nie damit an. Denn hier kommt hauptsächlich eine sehr lethargische, vom Alkohol geplagte Erzählerin zum Zug (wer erkennt den Wortwitz? *hehe*) die einem höllisch auf die Nerven gehen kann. Das Gesuder um eine bessere Vergangenheit, die Mitleidstour durch den Alkohol und das andauernde beinahe schon paranoide Verhalten sind einfach nervend und ziehen die Geschichte auch noch extrem in die Länge. Lange passiert einfach gar nichts, außer eine lange Leidens- und (Selbst-)Mitleidsgeschichte von Rachel.

Doch auch der Rest gestaltet sich nicht unbedingt spannender. Die Story kommt nicht in Fahrt, auch das Verschwinden von Jess/Megan passiert eher nebenbei und nicht wirklich im Fokus. Die Geschichte zieht sich immer mehr im Selbstmitleid und Alkohol mit - wirklich Fahrt kommt nicht auf (noch so ein Wortwitz).

Dazu kommt, die Erzähler wechseln sich (wenn auch nicht allzu häufig) ab einem gewissen Punkt ab. Doch einen Unterschied im Stil findet man kaum, wer sich nicht genau auf die Überschriften konzentriert der weiß nicht ob gerade aus der Sicht von Rachel, Megan oder Anna erzählt wird.  Überblick ist damit Fehlsache, gerade wenn dann auch noch in der Zeit gesprungen wird und man das Datum der einzelnen Kapitel nicht im Auge behält.

Erst sehr stark gegen Ende zieht die Spannung ein wenig an, aber auch bei weitem noch nicht so, dass es sich auszahlen würde.

Zudem handelt es sich meines Erachtens auch wirklich um einen Roman und nicht um einen Thriller. Das geplagte Leben von Rachel steht im Vordergrund, das Verschwinden von Megan macht es nur noch einen Ticken schlimmer. Wer Thriller oder gar Psychothriller sucht ist hier komplett falsch (oder lebt mit einer anderen Definition des Genres).

Für mich leider eine herbe Enttäuschung, die eher den Nachgeschmack einer ewig langen Zugfahrt hatte als einer schnell vergehenden Reise. Wem das Buch schon in den ersten Seiten nicht wirklich gefällt, der sollte lieber die Finger davon lassen. Denn der Stil und das Tempo bleiben so. Wer sich mit dem Schreibstil anfreunden kann - nur zu - wird auch Spaß damit haben.


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